Autor Thema: MVB-Fahrtenschreiber - MVB Ausbildungsblog  (Gelesen 3861 mal)

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Re: MVB-Fahrtenschreiber - MVB Ausbildungsblog
« Antwort #15 am: 02. September 2020, 17:10:36 »
Nächste Haltestelle: Hauptbahnhof Ost

Endlich war es soweit: Die Freigabe der Straßenbahnstrecke durch die Tunnelbaustelle am 27.08.2020! Nach über drei Jahren können Straßenbahen wieder die Strecke passieren.  Dass ich mich darauf ziemlich freute, hat mehrere Gründe. Zum einen muss ich als Fahrer nun nicht mehr, gemeinsam mit den anderen Bahnen der Linien 1, 4, 5 , 6 und 10 über die Halberstädter Straße fahren (was oft problematisch war, wenn es dort beispielsweise einen Verkehrsunfall auf den Gleisen der Bahn gab), zum anderen kann ich nun als Fahrgast deutlich schneller nach Stadtfeld fahren.

    Persönlich ist die Wiedereröffnung für mich etwas Besonderes, denn einer der vielen Gründe, weshalb ich zur Straßenbahn wollte, ist, dass man auf dem Platz am Sollwertgeber immer auch etwas Stadtgeschichte „erfahren“ darf.

 Entsprechend nervös war ich dann am Donnerstagmorgen also, als mein Wecker mich um 2 Uhr zum Aufstehen überredete. Mein Frühdienst begann um 03.45 Uhr und, passenderweise, hielt er gleich zu Beginn eine Linie 6 für mich parat. Somit war klar, dass ich zur „Premiere“ einer der ersten Züge sein würde, die die neu gebaute Strecke in Richtung Stadtfeld befahren würde.



Den neuen Linienverlauf der „6“ hatte ich mir vor der Fahrt genau angeschaut, wenngleich ich den noch aus meiner Zeit vor den MVB vage im Gedächtnis hatte. Natürlich wurden wir Fahrerinnen und Fahrer bereits einige Wochen zuvor über die neue, alte Strecke unterrichtet, denn schließlich ist mit Blick auf die Haltestellen nun etwas grundlegend anders, als vorher. Die ehemalige Haltestelle „Damaschkeplatz“, die von vielen liebevoll „Dammi“ genannt wurde, ist verschwunden. Dafür gibt es nun eine Haltestelle unter den Bahnhofsbrücken (noch „schläft“ sie, wenn alle Bauarbeiten abgeschlossen sind wird sie „Hauptbahnhof Nord“ heißen).

    Der Clou dabei: Man kann jetzt direkt von der Straßenbahn zu den Bahnsteigen des Hauptbahnhofes gelangen und umgekehrt.

Das sogar im trockenen, denn die Zwischenräume zwischen den Bahnhofsgleisen 1-6 sowie 7-9 sind mit einem Glasdach geschlossen worden.

Aber zurück zu meinen Erlebnissen: Die Stimmung unter den Kollegen auf dem Betriebshof war am Morgen merklich angespannt. Wir Fahrerinnen und Fahrer wissen selbstredend, was zu tun sein wird, dennoch bleibt immer die Ungewissheit, ob alles nach Plan laufen wird. „Ob der Boardcomputer den Linienverlauf kennt und auch die Haltestellen korrekt ansagt? Wird die Voranmeldung an den Ampeln funktionieren?“, derlei Fragen stellte ich mir Unterbewusst und war dann doch noch ein bisschen nervöser, als es dann schließlich los ging zur ersten Fahrt.

Zunächst führte mich der Fahrplan in den Herrenkrug. Dort angekommen, hatte ich einen kurzen Moment, um noch einmal in den Liniennetzplan zu schauen, der an uns Mitarbeiter im Fahrdienst verteilt wurde. „Denk dran: nach der Haltestelle City Carré nach rechts!“, rief ich mir immer wieder in Erinnerung. Dann war meine planmäßige Abfahrtszeit gekommen und so fuhr ich aus dem Herrenkrug in Richtung Diesdorf los. Bis zur Haltestelle „City Carré“ war alles, wie immer. Danach allerdings forderte die Strecke meine ganze Aufmerksamkeit. In den ersten Tagen müssen nämlich alle Weichen durch den Fahrer gestellt werden, da die Umprogrammierung der elektrischen Weichen nicht mal so eben in einer Nacht erledigt ist. Die Kollegen der Stromversorgung, die sich darum kümmern, müssen händisch jede Weichenschaltung einzeln für jede Linie neu programmieren. Ich als Fahrer muss also von meiner Fahrerkabine aus den Stellbefehl an die Weiche manuell tätigen. Dazu zeigt mir ein spezielles Signalschild in der Oberleitung an, wann ich einen der Weichen-Taster auf dem Bedienpult der Straßenbahn zu drücken habe. Dabei muss man genau wissen, wohin man fahren muss. Gar nicht so schwer, mag man nun denken, aber unter den gegebenen Umständen musste ich mich doch sehr konzentrieren. So stellte ich mir die Weiche 204 nach „rechts“, in die Hasselbachstraße zum Hauptbahnhof.



Für mich vollkommen ungewohnt ging es nun über den Willy-Brandt-Platz zur ersten, neuen Haltestelle „Hauptbahnhof Ost“. Die ersten Fahrgäste stiegen nun mit ihren Koffern aus dem Bahnhof zu mir in die Bahn. Die Türen schlossen, Abfahrbereit.

    Jetzt war es also soweit. Fast drei Jahre fuhr hier keine Bahn entlang und in dem Moment war ausgerechnet ich einer der ersten, der seine Tram zu neuen Ufern steuern durfte.

 Die Schranke am Baustellenanfang hob sich, mein Zug rollte langsam über die neuen Weichen, nach links unter den Bahnhofsbrücken drunter durch. Zur Sicherheit für die Bauarbeiter gilt im gesamten Abschnitt eine Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h und so hatte ich noch einen kleinen Augenblick Zeit, die Arbeiten an den Tunnelausgängen anzuschauen. Die Schienen sahen noch vollkommen unbenutzt aus und die nagelneue Oberleitung schimmerte im Scheinwerferlicht. Besonders leise rollte mein Zug über die Kreuzung. Hier wurden nämlich wieder geräuscharme Weichen verbaut, wie man sie beispielsweise vom Südring kennt.  Überraschend schnell war die Passage nach Stadtfeld dann auch schon vollzogen. Ungefähr drei Minuten nach meiner Abfahrt am Bahnhof stand ich mit meiner Bahn an der Ersatzhaltestelle „Damaschkeplatz/ ZOB“, welche bereits in der Olvenstedter Straße liegt. Von hier aus ging es dann, neu, jedoch wenig spektakulär, über den Europaring nach Diesdorf.

    Damit war auch ein weiterer Pluspunkt der neuen Verbindung klar: Die kurze Reisezeit.

Statt den bisherigen 30 Minuten benötigt man mit den „Öffis“ nun lediglich rund 10 Minuten, um vom Alten Markt in der Innenstadt nach Stadtfeld zu gelangen.

Diese kurze Reisezeit probierten dann übrigens auch gleich ein paar Menschen aus. Sie stiegen auf dem Rückweg in meine Bahn und am Hauptbahnhof aus, um dann gleich in die entgegengesetzt fahrende Tram zu steigen. Offensichtlich scheint auch der ein oder andere Anwohner sehr froh über den Lückenschluss in die Innenstadt.



Hoffentlich sehen wir uns bald, auf dem kurzen Weg nach Stadtfeld mal!

Bis dahin,

Johannes.

Quelle: https://www.mvb-fahrtenschreiber.de/2020/09/02/naechste-haltestelle-hauptbahnhof-ost/

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Re: MVB-Fahrtenschreiber - MVB Ausbildungsblog
« Antwort #16 am: 03. September 2020, 20:45:20 »
Neues Ausbildungsjahr bei der MVB: 22 junge Menschen starten ins Berufsleben





Wir haben dieser Tage unsere neuen Auszubildenden begrüßt. Auch während der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften bei uns groß.

Im September begann das neue MVB-Ausbildungsjahr. Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel und Personalchef Ulf Kazubke begrüßten beim Kennenlerntag im Stadtpark Rotehorn 22 neue Gesichter im Unternehmen.

„Ich freue mich, dass wir auch in diesen Zeiten vielen engagierten jungen Menschen eine Perspektive geben können, indem sie mit einer Ausbildung bei der MVB ins Berufsleben einsteigen“, sagt Birgit Münster-Rendel beim gemeinsamen Grillen im Stadtpark. Wir bilden bedarfsgerecht aus, um uns zu verjüngen, um Kollegen zu ersetzen, die in nächster Zeit ihren wohlverdienten Ruhestand antreten. „Die Zeichen stehen daher auf Übernahme. In den vergangenen Jahren konnten wir allen erfolgreich Auslernenden eine Festanstellung anbieten“; freut sich Ulf Kazubke. So soll es auch in der Zukunft sein.

In insgesamt sechs verschiedenen Berufsbildern beginnt die Ausbildung bei der MVB. Neben Fachkräften im Fahrbetrieb, Fachkräfte für Lagerlogistik und Kaufleute für Büromanagement, werden insbesondere Mechatroniker, Elektroniker und Gleisbauer ausgebildet.

Für das kommende Ausbildungsjahr können sich Interessierte schon jetzt bewerben. Dann sind zusätzlich zu den oben genannten Berufen auch Bewerbungen für die Ausbildungsberufe Industriemechaniker und Kaufleute für Verkehrsservice möglich.

Informationen gibt es hier.

Quelle:


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Re: MVB-Fahrtenschreiber - MVB Ausbildungsblog
« Antwort #17 am: 09. September 2020, 18:01:30 »
Schaffe ich das noch? Warum Straßenbahnfahrer manchmal nicht winken.

Kennt ihr das? Gerade aus der Straßenbahn ausgestiegen, lauft ihr nach vorn, weil ihr noch schnell vor der Bahn über die Straße wollt.
Ihr schaut dann oft zu mir, also zum Fahrer oder der Fahrerin, aber wir schauen nicht zurück. Jetzt seid ihr euch unsicher, ob ihr gehen könnt und bleibt meitens lieber stehen. Und das ist auch gut so!
Denn wir Fahrerinnen und Fahrer sind schließlich nicht unhöflich und ignorieren etwa unsere Fahrgäste, sondern wollen sie sogar schützen!
„Wie? In dem man wegschaut?“ höhre ich jetzt viele Lesende fragen.
Und meine Antwort ist schlicht: „Ganz genau!“. Das hat mehrere Gründe, die ich euch kurz aus der Sicht des Fahrers bzw der Fahrerin schildern möchte.

An einer Haltestelle ist oft viel los. Fahrgäste steigen aus, viele wiederum ein, die ersten Aussteiger laufen in der Haltestelle zu mir nach vorn, an die Zugspitze. Es wird voll auf der oft schmalen Insel (so nennt man die Bauart einiger Haltepunkte, bei der der Bahnsteig zwischen den Fahrspuren der Autos liegt, wie beispielsweise auf der Leipziger Straße) und einige Menschen wollen schon mal zur gegenüberliegenden Seite loslaufen. Jetzt schauen sie zu mir, dem Fahrer, doch eigentlich zeigt die Fußgängerampel ja „rot“. Natürlich werde ich niemandem ein Handzeichen geben, dass er oder sie bei „rot“ über die Straße gehen kann! Zum einen, weil ich mit meinem Zug gleich weiter fahren werde, um die anderen Fahrgäste an ihr Ziel zu bringen, zum anderen aber, weil meist schon ein Gegenzug heran naht.


Ein Zug nähert sich aus der Gegenrichtung.

Genau dort lauert auch die größte Gefahr für unsere Kunden: Sie sind so auf meine Reaktion auf ihre „Kann-ich-rüber?“-Aktion konzentriert, dass sie oft außer Acht lassen, dass sich aus der anderen Richtung eine Straßenbahn mit Schwung nähert. Oder aber, bei Haltestellen mit Ausstieg auf der Fahrbahn, ein Auto.
Selbst wenn ich den Wartenden nun eine „Bleib stehen“-Geste zeigen würde, könnte es missverstanden werden und so käme es wohlmöglich zu einem schweren Unfall. Deshalb ist es für euch, und auch für mich, am einfachsten, wenn ich nicht zurück schaue. Selbstverständlich habe ich euch aber gesehen (als Tramchauffeur muss man seine Augen fast überall gleichzeitig haben 🙂 )!

Wenn ihr also über die Gleise wollt, macht das bitte nur, wenn eure Ampel „grün“ zeigt, oder, wenn keine Ampel vorhanden ist, wenn die Bahn abgefahren ist.


Das Signal zeigt „T“ für „Türen schließen“. Jetzt wird es gleich losgehen.

Und nun folgt noch eine kleine Signalkunde. Einige von euch fragen sich sicherlich, wie eine Straßenbahnampel funktioniert. Das will ich euch anhand der Ampel am Alten Markt näher erläutern.
Anstelle der drei Farben (rot, gelb, grün), zeigt die Straßenbahnampel entweder einen weißen Querbalken, ein weißes „T“ oder einen weißen Längsbalken. Der weiße Balken in der waagerechten, wie bei einer geschlossenen Schranke, signalisiert „Halt“ für die Straßenbahn. Bevor ich mit meiner Bahn abfahren kann, zeigt mir das Siganal ersteinmal noch das weiße „T“. Das heißt „Türen schließen“ und sagt mir, dass es gleich losgeht. Als Fahrer muss ich also den Fahrgastwechsel beenden, sofern keiner mehr Ein- und Aussteigen will.
Danach sehe ich „Fahrt frei geradeaus“, also ein aufrechter weißer Balken. Jetzt kann ich losfahren. Wenn ich abbiegen möchte, muss ich auf einen nach links oder rechts geneigten Längsbalken warten.


Aus der Sicht des Fahrers betrachtet: Das Signal zeigt "Halt". Die Fußgängerampel kann man nicht einsehen.


Die Fußgängerampel am Alten Markt sieht man nur von der gegenüberliegenden Seite gut.



Fazit: Um also die Schienen sicher queren zu können, nutzt bitte eure Fußgängerampel oder, falls eine solche nicht vorhanden ist, wartet, bis die Straßenbahn abgefahren ist. Das schützt euch und euer Leben. Denn nichts kann wichtiger sein, als das eigene Leben. Die Geduld, ein paar Sekunden zu warten, sollte man aufbringen. Wenn wir Fahrer euch kein Zeichen geben, ob ihr die Schienen queren könnt, dann ist das keine Unhöflichkeit, sondern dient nur unser aller Sicherheit.

Bis ganz bald!
Euer,
Johannes

Quelle: https://www.mvb-fahrtenschreiber.de/2020/09/09/schaffe-ich-das-noch-warum-strassenbahnfahrer-manchmal-nicht-winken/

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Re: MVB-Fahrtenschreiber - MVB Ausbildungsblog
« Antwort #18 am: 16. September 2020, 16:43:56 »
Ruhig bleiben! Das Deeskalationstraining

Bei der MVB hat man nie ausgelernt. Auch nach meiner Fahrschulausbildung muss ich mindestens zwei Mal im Jahr im Rahmen der Fahrerschulung die Schulbank drücken. Im Sommer durfte ich so ein Deeskalationstraining absolvieren. Davon berichte ich euch heute.

Die Straßenbahn steht an der roten Ampel. Als es nach zwei Minuten noch nicht weiter geht, wird es unruhig im Wagen. Ein Mann steht auf und wird laut: „Was ist hier los? Geht´s heute noch weiter?“ ruft er gereizt in Richtung Fahrer. „Aufgrund der aktuellen Verkehrslage können wir derzeit nicht weiterfahren. Ich bitte um Geduld!“, spricht die Fahrerin daraufhin über die Lautsprecher in der Bahn zu den Fahrgästen. Jetzt ist der Mann richtig sauer, er springt auf und wirft eine Flasche gegen die Tür der Fahrerkabine. Die Flasche knallt gegen die Scheibe, alle zucken zusammen, es ist still im Wagen. Vorsichtig schaut die Fahrerin durch das Fenster nach hinten in den Fahrgastraum. Dann steht sie auf und macht ihre Tür auf. Freundlich nähert sie sich dem Störer.

    „Stopp!“ ruft ein anderer Mann schließlich aus dem Hintergrund, das Geschehen ist vorbei. Es war eine Übung.


Einer der Trainer spielt den wütenden Fahrgast

Der Stopp-Ruf kam von einem Trainer, der die ganze Zeit dabei war und den Vorfall beobachtete, denn der aggressive Randalierer ist natürlich nicht echt, ebenso, wie die eben beschriebene Situation. Das Schauspiel gehört zum praktischen Teil des Deeskalationstrainings, an dem alle Fahrerinnen und Fahrer der MVB teilnehmen. Die Trainer sind übrigens MVB-Mitarbeiter, die hauptberuflich eigentlich etwas anderes machen, sich aber zum Deeskalationstrainer weitergebildet haben.

    Ziel ist es, den Mitarbeitern mit Kundenkontakt Handlungsanleitungen an die Hand zu geben, um sich im Konfliktfall mit anderen Menschen korrekt und sicher zu verhalten.

Dafür findet im Betriebshof Sudenburg ein spezielles Seminar statt, bei dem zunächst Grundlagen in einem Theorie-Teil vermittelt werden. Verhaltenspsychologie, rechtliche Grundlagen und mögliche Lösungsansätze für Konflike gehören, neben weiteren Themen, zu den Inhalten des vierstündigen Schulungsteils. Elementarer Bestandel ist natürlich auch die Kommunikation. Anhand anschaulicher Beispiele werden die Ursachen für Konflikte, die Wirkung von verbaler, so wie nonverbaler Kommunikation und die Vermeidung von Eskalation aufgezeigt.

Selbstverständlich darf auch etwas Jura nicht schaden (und damit sind nicht die älteren Kollegen gemeint 😉 ) und so werden auch die rechtlichen Aspekte eingehend beleuchtet. Was fällt unter das Strafgesetzbuch? Wo finden Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches Anwendung? Bei diesen Fragen kann beim Laien schnell die Konzentration nachlassen, was durch die erfrischende und lockere Art der Trainer bei uns jedoch nicht der Fall war.

    Mit vielen Fallbeispielen von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen gespickt, wurden für alle Vorkommnisse Lösungswege anhand der zuvor vermittelten Inhalte erarbeitet und danach rege in der Runde diskutiert.

Hier wurde schnell deutlich: was in der Theorie einfach, logisch und rational erscheint, ist in der Realität etwas völlig anderes. Reale Empfindungen in stressigen Situationen lassen sich nicht so leicht in formale Verhaltensempfelungen umsetzen.
Aus diesem Grund gibt es einen praktischen Teil, in dem in fiktiven Konfliktsituationen die Bestandteile der Theorie in die Tat umgesetzt werden können.


Hier wird erklärt, wie man scheinbar schlafende Menschen wecken sollte.

Gemeinsam mit den Kollegen aus dem Fahrdienst, inszenieren die Trainer dabei ein Geschehen, bei dem der, beziehungsweise die FahrerIn aktiv werden muss und zur Deeskalation beitragen soll. Nach einem solchen Durchgang werden im Teilnehmerkreis alle Aktionen der Darsteller analysiert und auf mögliche Verbesserungen geprüft. Hier zeigte sich wieder die Erfahrung vieler Kollegen, die zur vielfältigen Betrachtung des Geschehens beigetragen hat. In der eingangs Beschriebenen Situation waren wir uns übrigens alle einig: aus der Kabiene wäre im realen Betrieb niemand gekommen, wenn jemand tatsächlich mit Flaschen geworfen hätte. In solch einem Fall hat man vor allem eine Aufgabe: die anderen Fahrgäste zu schützen und so schnell wie möglich die Polizei zu verständigen. Denn eines muss man als StraßenbahnfahrerIn immer Hinterkopf behalten: Als MitarbeiterIn in Dienstkleidung repräsentieren wir unser Unternehmen und sind Dienstleister für unsere Kunden. Dazu ist es sehr wichtig, auch in gefährlichen Momenten die Sicherheit und das Wohlergehen der anderen Fahrgäste im Blick zu behalten. Dahingehend war diese Schulung sehr willkommen und hat mein persönliches Repertoire an „was würde ich tun, wenn…?“-Frage mit einigen Antworten gefüllt.


Das Praxistraining wird im Betriebshof Sudenburg durchgeführt. Die Kulisse ist einer der Magdeburger T6.

Abschließend sei noch positiv Erwähnt, dass die Schulung, an der ich teilgenommen habe, durch einen entsprechend ausgebildeten Kollegen aus dem Bus-Fahrdienst durchgeführt wurde. Das ist nicht nur für die Kollegialität gut, sondern erweitert auch die Ansichten als (reiner) Straßenbahnfahrer.
Nach acht Stunden Schulung ist das Training beendet und klingt bei kleinen Fachsimpeleien unter den Kollegen aus. Schließlich ist man in Sudenburg den historischen Trieb- und Beiwagen stets sehr nahe und kann so die ein oder andere Anekdote der dienstälteren Kollegen hören.
Daran (Historie und Anekdoten) habe ich persönlich immer großen Gefallen.

Bis zum nächsten Mal,
euer Johannes.

Quelle: https://www.mvb-fahrtenschreiber.de/2020/09/16/ruhig-bleiben-das-deeskalationstraining/

 

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