Autor Thema: Nahverkehr in Potsdam  (Gelesen 1029 mal)

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Nahverkehr in Potsdam
« am: 10. Februar 2017, 16:28:47 »
Volle Tram, leere Kasse

Die Stadt Potsdam wächst und mit ihr die Zahl der Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr. Wie schwer es ist, einen guten ÖPNV zu finanzieren.

 Der Kämmerer von Potsdam könnte ein zufriedener Mann sein. Er verwaltet eine wachsende Stadt. Eine wachsende Universität. Und erst die Touristen! Es sind so viele, sie verstopfen auf dem Weg zum Schloss Sanssouci und nun auch zum neuen Barberini-Museum die Straßenbahn.

 Doch beim Stichwort Straßenbahn greift Burkhard Exner schnell zu einem Stapel Papier. Seiten voller Zahlen, Spalten, Grafiken. Sie zeigen vor allem eines: Egal, wie sehr die Stadt wächst und wie sehr sie Studenten und Touristen anzieht, der Nahverkehr wird dem Kämmerer immer Geld abverlangen. "Fipp", so nennt Exner die Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH dennoch liebevoll. Schließlich ist der Potsdamer Bürgermeister ja auch Aufsichtsratschef der ViP, und die gehört vor allem wegen ihrer Straßenbahnen zu den besten Anbietern in Deutschland.

 Trotzdem spiegelt der "Fipp" das ganze Dilemma des öffentlichen Nahverkehrs im Land. Die Fahrgastzahlen legen zu, und doch ist der Nahverkehr wie eh und je von einem Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben weit entfernt. Die Ticketerlöse decken rund 40 Prozent der Kosten, sagt Martin Grießner, einer der beiden Geschäftsführer des "Fipp". Die Verluste belaufen sich auf über 20 Millionen Euro. Jährlich.

Das Licht einschalten, den Nahverkehr unterstützen

Wer gleicht das Minus aus? Die Stadtwerke Potsdam springen ein, und dass diese Konstruktion auf Dauer angelegt ist, sieht man schon daran, dass der "Fipp" eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke ist, und die wiederum gehören der Stadt. Die gibt aus ihrer Kasse 3,5 Millionen Euro dazu. Der Zuschuss lindert den Jahresverlust. Dazu kommen öffentliche Mittel vom Bund.

Doch letztlich "werden wir vor allem aus den Gewinnen der Energie- und Wasserversorgung finanziert", bestätigt Geschäftsführer Grießner. Dreht ein Potsdamer den Wasserhahn auf, wäscht er Wäsche oder schaltet das Licht ein, fließt ein Bruchteil von ein paar Cent durch die Leitungen zur Tram.


Infobox ÖPNV Deutschland
Unterwegs in Bus und Tram

Die Fahrgastzahlen steigen und steigen: In Zeiten von Landflucht und Städtewachstum ist der öffentliche Nahverkehr wichtiger denn je. Dem trägt die Leistung vieler Verkehrsbetriebe nicht Rechnung. Zahlen aus mehr als 50 großen deutschen Städten, die ZEIT und ZEIT ONLINE exklusiv vorliegen, zeigen, wo der ÖPNV überfordert ist und wo die Bürger ein gutes Angebot vorfinden. Lesen Sie dazu in den nächsten Tagen auf ZEIT ONLINE:

    Analyse: Deutschlands Nahverkehr in Grafiken
    Die Datenbasis: Ein Interview mit Stefan Weigele von der Beratungsfirma Civity
    Ortsbesuch Köln: Woran der Nahverkehr in der Domstadt krankt
    Ortsbesuch Dresden: Was der ÖPNV an der Elbe anderen voraushat
    Ortsbesuch Potsdam: Wie die Stadt mit dem Fahrgastwachstum kämpft
    "Preiserhöhungen werden zunehmend kritisch gesehen": Interview mit einem ÖPNV-Experten
    "Die Kommunen werden mit den Kosten allein gelassen": Interview mit dem Potsdamer Verkehrsbetrieb

Diese Tram ist in Potsdam den ganzen Tag über gut ausgelastet. Vor allem die beiden Linien 92 und 96. Von den täglich rund 72.000 Fahrgästen nutzt fast die Hälfte diese Linien. Sie ziehen sich vom Stadtteil Drewitz im Südosten durchs Zentrum bis Bornstedt im Norden, es sind die längsten Tramstrecken der Stadt.

An der 92 und der 96 wird auch klar, warum der Erfolg die Kosten noch steigen lässt. In diesem Jahr verlängert der "Fipp" einen Teil seiner Trambahnen von 30 auf 40 Meter, um die wachsende Zahl der Fahrgäste befördern zu können. "Die Investitionen können mit dem rasanten Wachstum der Stadt aber kaum Schritt halten", sagt Grießners Co-Geschäftsführer Oliver Glaser.

Was ist wichtiger: mehr Schulplätze oder neue Straßenbahnen?

Zugleich baut der "Fipp" für 7,5 Millionen Euro eine Hauptlinie im Norden um einen guten Kilometer aus, es ist der erste Streckenneubau seit 15 Jahren. Dann reicht die Straßenbahn bis zum Campus Jungfernsee, einem neuen Hightech-Park mit angrenzendem Stadtvillenviertel. Und nördlich davon soll auf einem ehemaligen Kasernengelände ein weiteres Wohngebiet entstehen, also kalkuliert die Stadt schon mal zusätzliche fünf Kilometer Strecke mit 36 Millionen Euro Investitionskosten. Ersetzt Potsdam überdies auch die letzten Tram-Bahnwagen aus DDR-Zeiten, kämen nach heutigem Stand weitere 30 Millionen Euro auf die Stadt zu.

Eine Investition, um die Potsdam nicht herumkommen wird, soll der öffentliche Nahverkehr doch langfristig barrierefrei werden. Denn die Bahnen aus den achtziger Jahren muss man mühsam über zwei hohe Stufen erklimmen. Eigentlich wollte der "Fipp" die Tatra-Wagen schon längst ausmustern. Doch weil die Fahrgastzahlen so stark steigen, kann er auf die betagten Züge nicht verzichten. Für den Ersatz reicht das Geld nicht. Darum lässt Potsdam die Wagen sanieren, damit sie weitere acht Jahre durch die Stadt quietschen können. Für das Geld, rund 3,6 Millionen Euro, bekäme der "Fipp" gerade mal eine neue Tram.


Nahverkehr Förderung Bund
So fördert der Bund den Nahverkehr

Die Förderung ist kompliziert und verflochten – Experten sprechen darum von der "Spaghettifinanzierung". Es gibt drei verschiedene Fördertöpfe mit Mitteln des Bundes: das GVFG-Bundesprogramm (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz), sogenannte Entflechtungs- und Regionalisierungsmittel.

    Regionalisierungsmittel: Mit der Bahnreform 1994 gab der Bund die Zuständigkeit für den schienengebundenen Personennahverkehr an die Länder ab. Zum Ausgleich erhalten die Länder seither vom Bund jährlich Geld für die Finanzierung des regionalen Schienenverkehrs, also zum Beispiel für Regionalbahnen. Von den aktuell 8,2 Milliarden Euro pro Jahr erhalten aber die Kommunen für ihren innerstädtischen Nahverkehr nichts.
    GVFG: Das Gesetz sieht seit 1971 vor, dass der Bund den Bundesländern Mittel zur Verfügung stellt, damit die Länder den Verkehr in ihren Gemeinden verbessern können. Das GVFG-Programm – seit 1997 unverändert rund 330 Millionen Euro und in dieser Höhe bis mindestens 2025 eingefroren – ist gedacht für größere Infrastrukturprojekte, also vor allem den Bau und Ausbau von Verkehrswegen, mit Volumina von mehr als 50 Millionen Euro.
    Entflechtungsmittel: Dieser Topf wurde in der Föderalismusreform 2007 neben dem GVFG-Programm geschaffen. Das Geld – jährlich 1,3 Milliarden Euro – ist gedacht für kleinere Investitionsprojekte. Es fließt an die Länder, die es auf ihre Kommunen verteilen: 60 Prozent sollen in den öffentlichen Personennahverkehr fließen, 40 Prozent in den kommunalen Straßenbau. So zweckgebunden sind die Gelder aber nur bis 2019. Danach können die Länder frei entscheiden, wofür sie die Mittel einsetzen.

"Wir haben inzwischen ein echtes Erlösproblem", sagt Bürgermeister Exner. Solch große Investitionssummen könne Potsdam unmöglich allein stemmen. Er kritisiert insbesondere die brandenburgische Landesregierung, die ihre Kommunen mit den Investitionskosten allein lasse und lediglich Mittel des Bundes durchreiche. Der öffentliche Nahverkehr müsse aus ökonomischen wie ökologischen Gründen stärker werden. "Dafür müssen Bund und Länder aber erheblich mehr tun und den Kommunen als Aufgabenträgern finanziell helfen", mahnt Exner.

Er fühlt sich da schon ziemlich eingeklemmt. Eine so kräftig wachsende Stadt braucht nicht nur einen ausgebauten Nahverkehr, sondern ebenso mehr Schulplätze und andere soziale Einrichtungen. Zumal der "Fipp" eine freiwillige kommunale Aufgabe ist, anders als etwa der Unterhalt von Kindergärten und Schulen. "Ich kann nicht einfach bestimmen: Dann bauen wir eben eine Grundschule weniger und geben das Geld stattdessen in den öffentlichen Nahverkehr", sagt Exner.

Wahr ist aber auch: Kein anderer Verkehrsverbund in Deutschland erlöst bisher so wenig pro Fahrgast wie der von Berlin-Brandenburg, zu dem der "Fipp" gehört. "Wir haben Nachholbedarf", gibt der Bürgermeister zu. Immerhin: Seit Anfang des Jahres verlangt der Verkehrsbetrieb 2,10 Euro für den Einzelfahrschein, satte zehn Prozent mehr als zuvor. Alles in allem sind die Ticketpreise in Potsdam um vier Prozent gestiegen. Exner kalkuliert mit Mehreinnahmen von 600.000 Euro. Nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein – gemessen an den Kosten, die auf die kräftig wachsende Landeshauptstadt zukommen.

Was bekommen die ÖPNV-Kunden für ihr Geld?

Je mehr Abfahrten ein Verkehrs­angebot am Tag bietet, desto besser ist das Angebot. Diese Grafik setzt die Abfahrten pro Einwohner (werktags) ins Verhältnis zum Ticketpreis, der dort für eine Fahrt zu zahlen ist. Ein Beispiel: In Würzburg kostet ein Einzelfahrschein 2,60 €, und es gibt 35 Abfahrten je 100 Einwohner.

Quelle: http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-02/nahverkehr-potsdam-finanzierung-investition-fahrgaeste-probleme/komplettansicht#nahverkehr-deutschland-infobox-1-tab

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Re: Nahverkehr in Potsdam
« Antwort #1 am: 21. April 2018, 08:55:03 »
Straßenbahn Potsdam


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Re: Nahverkehr in Potsdam
« Antwort #2 am: 21. April 2018, 20:51:09 »
Straßenbahn Potsdam



Mein Video ;)

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Re: Nahverkehr in Potsdam
« Antwort #3 am: 19. Juni 2018, 21:21:43 »
111 Jahre elektrische Straßenbahn in Potsdam


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Re: Nahverkehr in Potsdam
« Antwort #4 am: 02. September 2018, 18:45:19 »

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Re: Nahverkehr in Potsdam
« Antwort #5 am: 02. September 2018, 18:48:14 »

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Re: Nahverkehr in Potsdam
« Antwort #6 am: 04. September 2018, 16:37:55 »
111 Jahre Elektrische in Potsdam



Bei leider mehr als miesem Wetter feierte Potsdam das 111. Jubiläum seiner elektrischen Straßenbahn.
Beglückt wurde man zuerst mit einem aus 10 Fahrzeugen bestehenden Korso und danach mit
kostenlosen Sonderfahrten. Hier im Video zu sehen ist der Korso bei der Hin- und Rückfahrt sowie
einige Impressionen der historischen Fahrzeuge bei den Sonderfahrten.
« Letzte Änderung: 04. September 2018, 16:41:37 von NGT8D »

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Re: Nahverkehr in Potsdam
« Antwort #7 am: 04. September 2018, 16:41:57 »
Anlässlich der Innotrans testet Siemens eine autonom fahrende Straßenbahn im Süden Potsdams. Aber erstmal nur für Fachleute.

https://m.tagesspiegel.de/wirtschaft/autonom-fahrende-tram-weltpremiere-in-potsdam/22990788.html

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Re: Nahverkehr in Potsdam
« Antwort #8 am: 04. September 2018, 18:59:58 »
111 Jahre elektrische Straßenbahn in Potsdam



Am 2. September 2018 konnten die Potsdamer Museumswagen wieder frische Luft schnappen:
zum 111. Jubiläum der elektrischen Straßenbahn drehten unter anderem der wieder aufgebaute
Lindner-Triebwagen Nr. 9 (Bauart 1907), der frisch grundinstandgesetzte Tatra KT4D-Prototyp 001
sowie zwei Gotha-Garnituren beim Fahrzeug-Korso und kostenlosen Sonderfahrten ihre Runden
im Netz der Brandenburgischen Landeshauptstadt.

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Re: Nahverkehr in Potsdam
« Antwort #9 am: 04. September 2018, 20:43:15 »