Autor Thema: Magdeburger Triebwagen 138 und Beiwagen 300 als Kleinserienmodell  (Gelesen 222 mal)

Offline Sukram

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Neue Technologie im Fahrzeugbau oder Triebwagen 138 und Beiwagen 300 als Modell

Nachdem die bisherigen Kleinserienmodelle bei uns den Weg über ein Urmodell und den anschließenden Abguss in Resin gegangen sind, haben wir für das nächste Kleinserienmodell, was es von unserem Verein geben wird, erstmals einen neuen Weg beschritten. Den 3D-Druck.

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit dieser Technik und habe bereits mehrere Modelle und Kleinteile für unseren Verein am PC entworfen und drucken lassen. Im Laufe der Zeit ergaben sich immer neue und bessere Möglichkeiten für die Oberflächenbeschaffenheit. Ich habe inzwischen ein Ergebnis erreichen können, was einem handelsüblichem Modell in nichts nachsteht, weder in der Detaillierung noch in der Oberflächenbeschaffenheit.



Einiges zum Vorbild:
Im Jahre 1915 wurden von der Magdeburger Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft (MSEG) die ersten Triebwagen beschafft, die über geschlossene (verglaste) Perrons mit einfachen Schiebetüren verfügten und somit dem Fahrer die Arbeit - besonders in den Wintermonaten - erheblich erleichterten. Die neuen Wagen kamen aus den Waggonfabriken Wismar und Gottfried Lindner in Ammendorf bei Halle/ Saale (heute Bombardier-Werk Ammendorf). Sie wurden unter den Wagennummern 131 bis 134 („Wismar“-Tw) und 135 bis 138 („Lindner“-Tw) in den Wagenpark eingegliedert. Im Inneren besaßen die Wagen in Fahrtrichtung klappbare rot gepolsterte Kunstledersitze in Queranordnung (2+1), was bei den Triebwagen eine revolutionäre Änderung darstellte. Sogenannte Oberlichter im Laternendachaufsatz sorgten für ein helles Wageninneres und ebenfalls für Frischluftzufuhr. Die Plattformen wurden durch Stehwände vom Fahrgastraum getrennt und konnten durch Schiebetüren in den Abendstunden als Blendschutz verschlossen werden. Die schweren Fahrgestelle waren aus genieteten Stahlprofilen hergestellt und besaßen umlaufende Holzrahmen. Sie dienten der Aufnahme der Fahrmotoren des Typs U158 und als Untergestell des beblechten Holzrahmen-Wagenkastens. Die Schaltung erfolgte über kurbelbetätigte Schleifringfahrschalter des Typs FB 6. Als Feststellbremse diente eine kurbelbetätigte Klotzbremse. Die Beheizung des Fahrgastraums erfolgte durch Vorschaltwiderstände, die auf Sommer- und Winterbetrieb umgestellt werden konnten. Im Sommerbetrieb wurden nur die Dachwiderstände verwendet. Zum Schutz vor großen Verletzungen bei Unfällen verfügten die Wagen über Tastbretter, die bei Berührung ein Fangnetz auslösten. Die Außenbeleuchtung bestand aus zwei auf dem Dach positionierten Strahlern, die in Fahrtrichtung doppelt weiß zeigten. Am Heck fand sich über dem mittleren Stirnfenster eine rote Schlussleuchte (als Fahrtrichtungs-Signal). Die Dachstrahler dienten durch rückwärtige Seitenstrahlung gleichzeitig der Beleuchtung des über einen einfachen Mechanismus drehbaren Fahrzielschildes. Die am Oberlichtaufsatz befestigte Liniennummer wurde durch einen Ablenkstrahler auf Perron-Dachmitte beleuchtet. Anfangs waren keine Richtungsanzeiger vorhanden. Lackiert waren die Wagen in den „Hausfarben“ der Gesellschaft: Wagenkastenseite dunkel- und Plattform bis zur Fensterkante hellgrün, alle anderen Flächen gelb und zwischen grün und gelb mit roten Absetzstreifen. Dachkanten und Dächer waren lichtgrau.
Die ersten ‘echten’ Beiwagen für den elektrischen Betrieb lieferte die Wagenbauanstalt Falkenried der Hamburger Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft in Hamburg-Eppendorf, im Jahre 1911 an die MSEG. Es waren fünf große (vierachsige) Beiwagen (Serie 273 bis 277) und 15 zweiachsige Beiwagen (Serie 278 bis 292), denen im Jahre 1914 nochmals 10 Wagen nachfolgten (Serie 293 bis 302II). Maßgeblicher Unterschied zwischen den Vier- und Zweiachsern war die Bestuhlung. Während sich in den vierachsigen Wagen die gewohnten hölzernen Längsbänke befanden, waren die Zweiachser erstmals mit in Fahrtrichtung klappbaren Quersitzen ausgestattet. Wesentlicher Unterschied zu den späteren Triebwagen der Serie 131 bis 142, die sonst auf Wunsch der M.S.E.G. angepasst waren, sind die Plattformgestaltung, die Klapptüren anstelle von Schiebetüren und das außergewöhnlich hohe Oberlichtdach. Allgemein gingen die Wagen unter dem Begriff „Glashänger“ in den Sprachgebrauch bei den Magdeburger Straßenbahnern ein. Bedingt durch Umbauten und Neubeschaffungen wurden in den 20er Jahren bei allen Fahrzeugen der Magdeburger Straßenbahn die Kabelverbindungen zwischen Licht und Heizstrom getrennt, wozu zusätzliche Steckdosen installiert werden mussten. Ebenso verschwanden ab 1925 schrittweise die alten Tellerkupplungen und an ihre Stelle trat die Albertkupplung. Ab 1940 kamen viele Glashänger mit den neuen Hechtwagen auf der Linie 5 zum Einsatz. Die betriebliche Entwicklung deckt sich weitestgehend mit der Einsatzgeschichte der Triebwagenserien „Wismar“, „Lindner“ und „HAWA“, deren ähnliche Form auch immer wieder dazu führte, dass sie oft zusammen in Betrieb standen. Die Aussonderung der Fahrzeuge erfolgte in den Jahren 1967 bis 1971, als mehr und mehr die Tatra-Wagen das Stadtbild begannen zu prägen und die Zweiachser verdrängten.

Noch heute findet man den Triebwagen 138 und den Beiwagen 300 im Museumsbestand der Magdeburger Verkehrsbetriebe. Allerdings inzwischen nicht mehr in dem auffälligen gelben Anstrich, sondern in einem unauffälligeren, beigen Farbkleid, wobei am Beiwagen der untere Teil der Außenwände im Perronbreich in einem dezenten Minzeton lackiert wurde.

Wir haben uns zu Beginn für die Realisierung der Modelle als Einrichtungswagen entscheiden, wie sie derzeit auch als Museumsfahrzeug existieren. Die Ausführung als Zweirichter wird aber auch möglich sein, ist aber derzeit noch nicht realisiert.

Dank der Unterstützung von Torsten Erhardt (Vorsitzender der Magdeburger Eisenbahnfreunde e.V.) lagen uns Zeichnungen für beide Fahrzeugtypen vor was die Konstruktion deutlich vereinfachte. Ebenso gab es bereits eine Handskizze mit den relevantesten Maßen der späteren H0-Modelle.



Reales Modell oder doch nur ein gerendertes Foto aus dem CAD?

Beim Modell wurde nicht nur Wert auf ein hübsches Äußeres gelegt, sondern auch im Innenraum wurden Details, wie z.B. der geriffelte Holzboden, berücksichtigt.



Das erste fertige Modell konnte zu Ostern im Verein unter kritischen Blicken begutachtet werden. Bis auf minimale Anpassungen wurde das Modell wohlwollend mit viel Gefallen aufgenommen.

Wir können dieses Modell ab sofort allen Interessierten als Kleinserienmodell anbieten.

Zu Ostern wurde daher extra das Anlagenteil „Robert-Mayer Straße“ rausgekramt um ein paar Bilder des ersten Entwurfs anfertigen zu können, die wir Euch nicht vorenthalten wollen.






Interesse das Modell zu erwerben? Einfach eine E-Mail an msfev@t-online.de schicken und uns mitteilen, wofür Ihr Euch interessiert. Anschließend bekommt Ihr eine Preisauskunft, was das Modell nach Eurer Vorstellung kosten wird. Der Preis ist natürlich davon abhängig, ob Ihr nur einen Triebwagen oder Beiwagen haben wollt oder beides. Und natürlich, welcher Aufwand an Dekoration nötig ist.

Einfach mal unverbindlich anfragen :)



Schönen Sonntag wünsche ich euch.